Geschichte der Dai Nippon Butoku Kai


Im 8. Jahrhundert Japans erkannte die herrschende aristokratische Klasse die Gegenwart der mächtigen Militärklasse der kämpfenden Samurai (Kriegerkaste), zur Aufrechterhaltung in ihren Gebieten an. Unter der höchsten Autorität des Kaisers Kanmu, die kämpferische Ritterlichkeit und militärische Vorzüglichkeit zu verbreiten, wurde der Butoku Den (Halle der Kampftugenden) 794 in Kyoto gegründet. Es war zur Ermutigung der Samurai Krieger zur Entwickelung ihre großen militärischen Fähigkeiten gedacht.

Es wird gesagt, dass am 05. Mai 818 auf Anordnung des Herrschers SAGA die YABUSAME -Zeremonie (Bogenschütze zu Pferd) in der Kampfsporthalle, genannt Butoku (Halle der kriegerischen Geschicklichkeit), zur Darstellung der aristokratischen Autorität der königlichen Majestät, in Kyoto nahe des Heian Schrein durchgeführt wurde.


Der Kinkaku-ji, der Goldene Pavillon in Kyoto



Seit dieser Zeit wurde das Butokuden das Zentrum für die Ausbildung in der Kriegskunst während der gesamten Geschichte Japans.

Seit dem Ende des 9. Jahrhunderts begann der Aufstieg der Krieger mit militärischem / kriegerischem Geschick die Geschicke der japanischen Geschichte zu dominieren. Sie wurden Bushi und/oder Samurai genannt und waren eine Klasse von Männern, die dem Adel dienten. Sie übten sich in Tachiuchi (Schwertkampf), Sojutsu (Speerkampf), Naginatajutsu (Hellebardenkampf), Kyuba no Michi (der Weg eines Reiters mit Pfeil und Bogen) und anderen verwandten Kampfkunstarten des Krieges.

Im Feudaljapan vom späten 14. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhundert entwickelten sie komplexe Formen der Gefechtsführung mit Waffen, Rüstungen und verschiedenen Kriegsinstrumenten. Viele Ryuha Bujutsu (Kampfschulen die auf verschiedenen Systemen basieren) entwickelten ihre einzigartigen Gefechtsstrategien, Methoden, Theorien und Anwendung. Kämpfende Samurai als regierende Adelige setzten ihr Leben auf das Entwickeln solcher ehrfürchtiger Kampffähigkeiten und des Kults der militärischen Leistung ein.

Verschiedene entwickelte Heiho- (Kampfstrategien) Systeme wurden während der Kriege vom 15.-17. Jahrhundert in Japan entwickelt. In der entscheidenden Schlacht von Sekigahara um 1600 zerstörte der Clan Tokugawa die verbündeten Truppen Toyotomi und stellte im Anschluss die leistungsfähige, militärische Führung durch sein Shogunat, die Bakufu genannt wurde, in Edo (heutiges Tokyo) her.

Unter dem Regime der Bakufu behielten die japanischen Kampfkategorien ihre große traditionelle Ordnung für die folgenden 200 Jahre bei. Wir wissen, dass die Bushi (Kriegerkaste, oft genannt Samurai) nicht nur Meister der sozialen Elite für ihre militärische Geschicke waren, sondern auch die beispielhafte Führungsmoral verkörperten, durch Leben unter dem Ehrenkodex des Bushido, an dem sie unaufhörlich hafteten. Die Grundsätze des Bushido (Weg des Kriegers) verlangen vollkommenen Gehorsam gegenüber dem Verhaltenskodex und des Lebensweges, basierend auf den Tugenden der Ehre, Loyalität, Courage, Pflicht, schuldige Frömmigkeit, Opferbereitschaft, Integrität, Disziplin, Mitgefühl und unvergleichlichem Kampfgeist. Mit diesem gedanklichen Hintergrund hat der Bushi (Kämpfer) den Weg des Schwertes und andere verwandte militärische Disziplinen geschärft. Während der Tokugawa Periode bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren die abwechslungsreich gestalteten Kampfkunstschulen dahingehend entwickelt worden, ihre Vormachtstellung in den militärischen Fähigkeiten zu erklimmen. Als der Tokugawa Keiki, der letzte Shogun, seiner politischen Macht zum Imperialen Thron in der Meiji Restauration von 1867 abgedankt hatte und sein Amt an den kaiserlichen Thron zurückgab, begann Japan mit der neu gegründeten Nation den Anschluß an den Westen zu erreichen und sich zu einer anerkannten Position von militärischer und politischer Macht in der Internationalen Vereinigung zu entwickeln. In der stürmischen geschichtlichen Zeit wurden die traditionellen Kampfkulturen und seine philosophischen Lehrsätze zu einem bedeutendem Instrument der nationalen Ideologie.

1895 wurde die Dai Nippon Butoku Kai (Große japanische Kampftugend Vereinigung), deren Grundtugenden Respekt, Hingabe, Dankbarkeit, Integrität und Ehre waren, vom Ausbildungsministerium unter Aufsicht des Meiji Kaisers beauftragt, die verschiedenen RYU (Stile) des japanischen Bujutsu (Sammelbegriff für alle Kampfkünste der Samurai) zu festigen, fördern, kontrollieren, zu standardisieren und unter einem Dach zu vereinen. Ein hierzu gebildetes Komitee gab die offiziellen Rangbescheinigungen der Kampfkunstmeister (Budo menjo) und die Lehrerlizenzen (Shihan menjo) aus und bestätigte diese. RYU, die sich dem Butoku Kai nicht angeschlossen hatten, standen danach außerhalb des offiziellen Rahmens.

Prinz Kuniyoshi Kuni no Miya, General der königlichen Armee stellte sich als der erste, oberste Vorstand dem Dai Nippon Butoku Kai zur Verfügung. Folglich wurde die DNBK das höchst anerkannte Hauptquartier, ausgestattet mit den national führenden Kampfkünstlern in allen Disziplinen und entwickelte sich zu einem Zentrum für Training, Forschung, Lizensierung und Veröffentlichungen im Kampfkunstbereich.

1899 wurde der Butokuden noch einmal umgebaut um Platz für den alten Ruhm und Status zu werden und um Platz für jeden Kampfkünstler zu bieten.

1911 wurde die Bujutsu Senmon Gakko (professionelle Schule der Kampfkünste), später Busen (Militärische Hochschule) innerhalb der Dai Nippon Butoku Kai hergestellt, um Beglaubigungen, Bescheinigungen auszustellen und professionelles Training aller Kampfkunstdisziplinen in Japan auszuüben. Dort unterrichteten einige der größten Kampfkunstlehrer des Jahrhunderts. Die Studenten lernten Kampfkunst und Philosophie, militärische Strategie und damit verbundene Fächer in einem Zweijahres- und einem Vierjahresprogramm. Die Absolventen dieser Elitegemeinschaft wurden zu den besten und höchstangesehenen Kampfkunstexperten ihrer Zeit gerechnet. In dieser Zeit überwachte der mächtige Butoku Kai fast das gesamte Kampfkunstgeschehen in Japan. Er gründete auch die ersten Unterscheidungen betreffend er Titel (Hanshi, Kyoshi und Renshi) für moderne Kampfkunstmeister, die in ihren Stilen Herausragendes leisteten.

In den 30iger Jahren wurde der Titel des Renshi vom DNBK z.B. verliehen an Funakoshi, Miyagi, Konishi, Otsuka und Mabuni, später, in den 40igern an Higa Seiko, Yamaguchi Gogen, Nagamine Shoshin, Yagi Meitoku und Sakagami Ryu Sho, um nur ein paar zu nennen.

Bis 1930 konnte die Dai Nippon Butoku Kai mehr als 2 ½ Millionen Schwarzgurte und mehr als zweihundertfünfzehntausend Hochrangige Experten, registriert in den acht Haupt-Kampfkunstdisziplinen, vorweisen. Nach Beendigung des 2. Weltkrieges in Japan wurde die Dai Nippon Butoku Kai 1945 von den Alliierten verboten, die DNBK löste ihre Organisation daraufhin freiwillig auf. 1946 durfte im Bereich des Erziehungsministeriums das Budo im kleinen Maß wieder betrieben werden. Daraufhin beantragte der aufgelöste Butoku Kai, eine private Organisation gründen zu dürfen. Anfänglich wurde dies gestattet, jedoch kurz darauf auch wieder widerrufen. Nach den Friedensverhandlungen in San Francisco 1952 erhielt Japan wieder seine Souveränität.

Der Butokuden, der in der Folgezeit von der Kyoter Polizei genutzt wurde, wurde 1970 zum Nationaldenkmal erklärt. 1953 wurde die Butoku Kai unter schwierigen Bedingungen, mit Hanshi Kumao Ono als Vorsitzenden, wieder gegründet um sie wieder zu einer lebensfähigen Macht im Budo zu machen. Seine Exzellenz, Jigo Higashi Fushimi, der höchste Abt des Shorenin Tempels in Kyoto und ein Bruder der Kaiserin des Kaisers Hirohito, wurde zum Vorstand dieser neuen Vereinigung gewählt.

Die neue Maxime der DNBK ist die Bewahrung der klassischen Kampfkunsttraditionen und die Betonung auf das Zurückgeben des Erbes, Vermächtnisses und Tugenden der Kampfkulturen und die Förderung der Erziehung und sozialer Dienst durch Kampfkunsttraining. Jede japanische Butoku Sai (Kampfkunst-Festival) wird jedes Jahr in Kyoto, beim Butoku Den, am 29. April, dem Geburtstag des Kaisers, abgehalten, an welchem alljährlich Hunderte von offiziellen Mitgliedern teilnehmen.

1965 stellte Tesshin Hamada die Traditionen der DNBK an der Ostküste der USA vor. 1972 wurde, mit Unterstützung des späteren Hanshi Kumao Ono und des Honbu, die erste amtliche Abteilung außerhalb Japans in den USA – Virginia und der Ostküste hergestellt und sie stellten außerdem anschließend die USA-Abteilung der DNBK unter Hanshi Hamada, nachdem sich die USA erfolgreich an der historischen japanischen Butoku Sai in Kyoto beteiligt hatte. 1992 stellten sie offiziell die internationale Abteilung unter die Führung von Hanshi Tesshin Hamada, als Überblick über alle internationalen Mitglieder und zur Verbreitung des Geistes des Butoku Kai in der internationalen Vereinigung.

  • 1994 wurde das erste offizielle internationale Kampfkunsttraining in London (Großbritannien) abgehalten.
  • 1992 wurde die erste amerikanische Butoku Sai in der Old Dominion Universität, in Norfold, Virginia, abgehalten und 20 Hanshi aus Japan sowie die Elite der Kampfkunstleiter des Honbu nahmen an dieser herausragenden Demonstration teil.
  • 1998 wurde die noch nie da gewesene Erste Welt Butoku Sai in der Old Dominion Universität mit über 250 Schwarzgurten aus 10 Ländern, abgehalten. Seine Exzellenz, Jigo Higashi Fushimi, Kousar des Kaisers Akihito führte die Honbu Delegation, bestehend aus 22 Mitgliedern, an. Die offiziellen Teilnehmer führten die Disziplinen Kendo, Jiujutsu, Naginata, Jojutsu, Iaido, Sojutsu, Aikido, Karatedo und Kobudojutsu vor. Die ganze Zeremonie wurde durchgeführt in einem würdevollen traditionellen Format mit der Integrität und Ehre der führenden Kampfkunstvereinigung.
  • 2001: die erste englische Butoku Sai in Manchester
  • 2000 - 2001 förderte die Internationale Abteilung des DNBK die erste kanadische Butoku Sai in Burlington, im Mittleren Westen der USA, Kalifornien und vielen weiteren jährlichen Seminaren zur Förderung des Geistes des DNBK
  • 2002 wurde die 2. Welt-Butoku Sai im Kyoter Butokuden abgehalten - zugleich die 40 gesamtjapanische Butoku Sai und das 30jährige Jubiläum der amerikanischen DNBK Division, sowie 10jährigen Jubiläum der Internationalen Abteilung.
  • 2003 fand das Rensei Taikai in Deutschland statt, Hunderte von Teilnehmern reisten nach Magdeburg und gaben Vorführungen in den unterschiedlichen Bereichen des Budo.
  • 2004 wurde in Nordolk/Virginia an der Old Dominion University, die "All America Butoku Sai" abgehalten. Dies war das bis dahin größte Kampfkunstevent mit über 500 Teilnehmern
  • 2005 folgte ein Rensei Taikai in Portugal im Tenchi Dojo in Sintra und ein Budoseminar in Madrid/Spanien
  • 2006 ein weiteres Budoseminar in Chartres/Frankreich und danach die erste belgische Butoku Sai in Brüssel. Hierzu sandte König Albert II die Begrüßungsworte.


Derzeit ist Hanshi Masakatsu Tsujino als Präsident des Hanshi Board des DNBK Honbu in Kyoto bestellt; Hanshi Manabu Adachi und Hanshi Takeyuki führen die administrativen Operationen der Organisierung zusammen mit den zwei Vizepräsidenten und Leitern des Hanshi Boards, Hanshi Takeo Nakada und Hanshi Tekemitsu Kuwahara.

In der Internationalen Abteilung, mit Stand im Jahr 2006, gibt es offizielle Repräsentanten in Kanada, Großbritannien, Italien, Belgien, Portugal, Israel, Ungarn, Russland, Deutschland, Spanien, Malta, Frankreich, Rumänien, Slowakei, Schweiz, Armenien, Chile, Kalifornien, Hawaii, Mittlerer Westen der USA, zusammen mit über 2000 registrierten Yudansha (1.-4. DAN) in zweiundzwanzig Nationen, wobei die DNBK zukünftig beabsichtigt, sich weiter zu entwickeln und weitere Repräsentanten weltweit zu fördern. Die Vereinigung zielt nicht nur darauf ab, die klassischen Traditionen und das Erbe der japanischen Kampfkünste zu erhalten, sondern auch größere internationale Verständigung zu pflegen und durch Kampfkunsttraining und Ausbildung den Weltfrieden zu erhalten.

1153 ordnete Kaiser Toba den Bau eines kaiserlichen Palastes, genannt Shorenin an. Später wurde daraus der berühmte Tempel der Tendai Buddhisten und der dort residierende Oberpriester wurde traditionell aus der kaiserlichen Familie ausgewählt. Heute ist seine Exzellenz, Higashi Fushimi, Jigo der Oberpriester des Tempels und sein Sohn, Higashi Fushimi, Jiko dient als Shinmon. Das administrative Büro des DNBK ist innerhalb dieses Tempelkomplexes angesiedelt.


Quellen: Offizielle Unterlagen der Dai Nippon Butoku Kai.



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